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Trend 2018. Die Geschichte hinter dem Produkt: Mehr echte Originale statt Fakes.

Sicher, Ihr Pullover mag aus echter Wolle sein. Aber können Sie auch jeden Wollfaden zum jeweiligen Schaf zurückverfolgen? Wenn ja, dann wäre das „Echtheit“ und Authentizität bis ins kleinste Detail. Genau danach sucht der Konsument von heute immer mehr. Unternehmen können davon profitieren – nur wie?

Beweise für diesen Trend gibt es überall – sei es der Kollege, der vom eleganten Design seines neuen Smartphones schwärmt und dazu das perfekte, handgeschnitzte Etui aus versteinertem Urwaldholz sucht. Oder die Bauernmärkte, die in den Großstädten wie Pilze aus dem Boden schießen – die Menschen suchen und haben das Bedürfnis nach Authentischem. Weil sie verstärkt mit der „echten Welt“ in Berührung kommen wollen, gewinnt der Faktor „Echtheit“ überall eine viel größere Bedeutung.

Liegt es daran, dass wir immer häufiger in einem urbanen Umfeld leben? Oder, dass die moderne Kommunikation den persönlichen Kontakt auf ein Minimum reduziert und wir 24/7 Multitasking betreiben? Genauso könnte aber auch die Angst, dass unsere Lebensmittel unkontrolliert und an unbekannten Orten in großen Massen produziert werden, ein Auslöser für diese Entwicklung sein.

Sicherlich spielen hier viele Faktoren eine Rolle, aber das Verlangen nach Echtheit scheint tiefgründiger zu sein, als die üblichen „Trend und Gegentrend“-Bewegungen, die wir häufig erleben.

In folgenden vier Bereichen finden die größten Veränderungen statt:

1. Echter Genuss.
In Sachen „real food“ geht es nicht nur um die strenge Bevorzugung regionaler Produkte. Genauso sind Gesundheits- und Sicherheitsbedenken im Spiel. Viele wollen heute ganz genau wissen, woher ihr Essen stammt und was es beinhaltet. Im Jahr 2016 konnte in Deutschland ein Umsatz von insgesamt rund 9,5 Milliarden Euro durch den Verkauf von Bio-Lebensmitteln erwirtschaftet werden. Im Rahmen des „Ökobarometer 2017“ gaben 27 Prozent der Befragten an, dass es ihnen wichtig ist, Bio-Lebensmittel zu essen. Der Effekt: Bei immer mehr Lebensmitteln und Getränken hat sich die durchschnittliche Zahl an Zutaten pro Produkt deutlich verringert. Denn so ist es leichter Produkte mit der Aussage „ Zutaten, die jeder noch persönlich kennt“ zu bewerben so wie „Emils Bio-Manufaktur“.

2. Echte Beziehungen.
Obwohl wir zwar mehr miteinander verbunden sind, dürfte klar sein, dass wir nicht sozialer sind oder mehr persönliche Interaktion betreiben. Die Deutschen verbringen laut einer aktuellen Studie von ARD und ZDF durchschnittlich zweieinhalb Stunden pro Tag in der digitalen Welt. Und das steigert sich, wenn man die Smartphone-Nutzung hinzuzählt. Kein Wunder, dass im Gegenzug der Ruf nach Entschleunigung, Vereinfachung und das Verlangen nach echten Kontakten größer wird.

3. Echter Lifestyle.
Es gibt inzwischen auch eine Verschiebung bei den Freizeitaktivitäten zu einem ganzheitlicheren und „echteren“ Lebensstil. Studien, die einen Anstieg beim Selberkochen unter jungen Leuten zeigen, stützen diese These. 59% der Befragten von 25 bis 44 Jahren gaben an, Kochen zu lieben und dies auch als Mittel sehen, um Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Andere kreative „Offline“ -Aktivitäten wie Gartenarbeit oder DIY-Hobbies wie Stricken und Basteln nehmen bereits seit geraumer Zeit zu.

4. Echte Makel.
Die computergenerierte, über-designte Welt, in der wir leben, ist inzwischen so glatt und perfekt geworden, dass ihr die Menschlichkeit fehlt, die wir so gerne hätten. Viele Deutschen wünschen sich Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit – mit allen Fehlern und Schwächen. Im Marketing wird dieser neue Trend oft als „Flawsome“ bezeichnet, d.h. trotz Fehlern zu begeistern. Forscher streiten sogar darüber, ob die Menschen nicht sogar ein schlechteres aber authentisches Produkt einem überlegeneren aber nicht authentischen vorziehen. Wer makellos erscheint, wird nachweislich skeptisch betrachtet. Hat ein Restaurant zum Beispiel keine einzige kritische Bewertung auf Tripadvisor, wird es von vielen Touristen gemieden. Fakt ist: Makel verleihen Menschen und Marken mehr Wahrhaftigkeit und Charakter, machen sie „echter“, zuordenbarer und letztendlich verzeihlicher.

Die Zunahme des Echten in jedem dieser Gebiete bietet für genau die Unternehmen neue Chancen, die offen für Veränderungen sind. Zum Beispiel auf diesen vier Wegen:

1. Reale Erlebnisse anbieten.
Die Suche der Konsumenten nach persönlichen, wertvollen Dingen, die mit der realen Welt verbunden sind, bringt Marken und den Handel dazu, ihren Kunden eine tiefere und bedeutungsvollere Einkaufs- und Produkterfahrung zu ermöglichen. Schon vor Jahren luden Automarken wie BMW und Volvo ihre Kunden dazu ein, ihr bestelltes Fahrzeug in der Fabrik entgegenzunehmen. Die Konsumenten erwarten sich bei vielen Arten von Produkten zunehmend eine Erfahrung, die online oder sogar im Geschäft nicht möglich ist. Unternehmen können diesen Wunsch nach einer realen Erfahrung erfüllen, indem sie den Menschen fühlen, sehen und spüren lassen, wo das gekaufte Produkt herkommt. Wie zum Beispiel durch Werksführungen, bei denen die Kunden miterleben, wie das Produkt hergestellt wurde und die Menschen treffen, die das Produkt geschaffen haben.

2. Eine inspirierende Rolle spielen.
Während Marken wie Jack Daniels Wert auf das Langsame, das Reale und das Authentische in ihrer Botschaft gelegt haben, gibt es auch die Möglichkeit, Menschen im größeren Stil zu inspirieren. Schon einmal darüber nachgedacht, den Konsumenten über Marketing inspirierende Ideen für ihr Leben zu geben? Vollwertige Nahrung kann auch Lust auf bewussten Genuss und einen gesunden Lifestyle machen statt „nur“ gesundes Essen zu sein. So können Kochgeschirr-Hersteller sich aufbauende Systeme entwickeln, die mit dem Interesse und dem Können in Sachen Selbstgekochtes mitwachsen. Oder Versicherungen die Mechanik von Nike+ anwenden und Menschen dabei helfen, sich wirklich mit ihrer Gesundheit zu beschäftigen, weil sie für ihre Leistungen belohnt werden.

3. Reale Produkte erschaffen.
Die Geschichte hinter den Produkten zu erzählen und sie damit einzigartig zu machen, ist ein weiterer Weg, um den Wunsch der Menschen nach Echtheit zu unterstützt. Ein Beispiel dafür ist die langjährige Selbstvermarktung von Claus Hipp. Eltern wollen gesunde Ernährung und das Beste für ihr Kind – er hilft ihnen dabei, so die Botschaft. Oder die Bekleidungsmarke „Eisbrecher Merino“, bei der jedes Kleidungsstück mit einem Barcode versehen wird, durch den man die verarbeitete Wolle bis zum Ursprung nach Neuseeland zurückverfolgen und sehen kann, wie die Schafe leben. Dazu werden auch ihre Züchter vorgestellt und es kann die Produktion bis zum fertigen Kleidungsstück verfolgt werden.

4. Realen Zugang gewähren.
Menschen wollen immer mehr über die Kultur und Menschen erfahren, die hinter den verwendeten Produkten und Services stehen. Das Bedürfnis nach realem Zugang ist nur ein Grund warum Seiten wie Etsy eine wachsende Fangemeinde haben. Oder in TV-Shows wie „Die Höhle der Löwen“ die Gründer der Start-Ups nicht nur gezeigt werden, sondern absolut im Mittelpunkt stehen. So erhalten wir Zugang zu einer Marke und gewinnen Einblicke aus erster Hand, von denen wir sonst nie erfahren.

 

Wie auch immer sich Unternehmen am Echtheits-Wachstum beteiligen wollen – wichtiger denn je ist, dass sie ihren Kunden etwas zu TUN geben statt ihnen nur zu sagen, was man hat. Die Sehnsucht der Konsumenten nach mehr Echtheit in ihrem Leben und bei den Produkten, die sie kaufen, Selbst die persönliche Einkaufsliste ist Ausdruck unserer eigenen Werteskala. Freuen Sie sich darauf: Ihre Fähigkeit, Menschen für Dinge zu begeistern und sie darüber nachdenken zu lassen, was Sie damit erreichen können, wird diese nicht nur inspirieren, sondern auch Ihre Marke und Ihre Produkte interessanter machen.

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